Übergewicht und Erkrankungen der Mundhöhle

Ärztlicher Rat: Parodontitis, Übergewicht und Diabetes beeinflussen sich möglicherweise gegenseitig.

Die Prävalenz von Übergewicht und Adipositas ist in vielen Industrie- und Entwicklungsländern im Anstieg und besonders besorgniserregend ist die Zunahme bei Kindern. Innerhalb der EU hat Schottland die höchste Prävalenz, mehr als das Doppelte der Niederlande, und in England ist fast ein Viertel der Kinder in der Grundschule entweder übergewichtig oder fettleibig, dies steigt auf ein Drittel im Alter von 11 Jahren. Die Assoziation zwischen Adipositas und Typ-2-Diabetes ist allgemein bekannt, und diese trägt Auswirkungen auf Erkrankungen der Mundhöhle und die zahnärztliche Behandlung. Aktuelle Untersuchungen haben noch keine klare Assoziation zwischen Adipositas und Kariesprävalenz festgelegt, aber es gibt klare Hinweise für eine höhere Prävalenz der chronischen Parodontitis bei der übergewichtigen Bevölkerung. Es gibt einige Hinweise, dass diese nicht nur durch Diabetes vermittelt ist, sondern umgekehrt auch durch Sekretion des Fettgewebes von chemischen Mediatoren der Entzündungen, einschließlich Cytokine und Hormone, die die Reaktion der Zahnfleisches in den Mundraum zu modifizieren könnte.

Quelle

Dent Clin North Am. 2012 Oct;56(4):819-29. doi: 10.1016/j.cden.2012.07.008. Epub 2012 Aug 17.Assessment and management of patients with diabetes mellitus in the dental office.

Diabetesfrüherkennung mittels Zahnfleisch-Blutprobe

Früherkennung und Behandlung von Diabetes mellitus kann die Komplikationen reduzieren. Des Screening von Diabetes mit einer Zahnfleisch-Blutprobe bei Patienten einer Zahnklinik und die Zuverlässigkeit mit Standardverfahren wurde überprüft.

METHODEN:
Fünfhundertfünfzig neue Patienten im Alter von 30 bis 50 Jahren wurden zufällig ausgewählt. Von 550 Patienten untersucht, wurden Zahnfleisch-Blutproben von 454 Patienten gesammelt und analysiert. Darüber hinaus wurden alle Patienten für den zweiten Besuch mit Übernachtung für Nüchternblutzucker eingeladen. Mit 442 Patienten wurde der Nüchternblutzucker im Labor bestimmt.

ERGEBNISSE:
Der Vergleich von Blutzuckermessungen durch die zwei Verfahren zeigte eine Empfindlichkeit 96.66% und eine Spezifität 99,47%.

FAZIT:
Die Ergebnisse der vorliegenden Studie zeigt, dass Blut aus parodontalen Sondierungen zuverlässig Diabetes in der Bevölkerung screenen kann. Eine frühzeitige Diagnose von Diabetes in den Zahnkliniken könnte zur Verbesserung der Mundgesundheit und des allgemeinen Gesundheitszustands von Patienten verhelfen und zu reduzieren Komplikationen von Diabetes.

Quelle
Int J Prev Med. 2015 Mar 20;6:23. doi: 10.4103/2008-7802.153538. eCollection 2015.Reliability of gingival blood sample to screen diabetes in dental hospital.

Zahnfleischblutung kann für Diabetes-Früherkennung genutzt werden

Blut aus Zahnfleischtaschen während einer Parodontaluntersuchung kann zur Blutzuckerbestimmung eingesetzt werden. Die Werte gleichen weitgehend den Blutzuckerwerten bei intravenöser Blutzuckerbestimmung. Somit ist diese Technik möglicherweise für ein einfaches Screening von bisher nicht bekannten Diabetes-Erkrankungen geeignet. Das Blut kann bequem direkt bei einer normalen Zahnfleisch-Untersuchung abgenommen werden, eine Extra-Blutentnahme ist nicht erforderlich. Von den Krankenkassen werden die Kosten hierfür nicht übernommen.

Quellen

Int J Dent Hyg. 2015 Apr 10. doi: 10.1111/idh.12139.
Gingival crevicular blood for screening of blood glucose level in patients with & without diabetes: a chair-side test.

Gingival crevicular blood as a source to screen for diabetes control in a dental office setting.Kim JW, et al. Am J Dent. 2015.

Parodontitis und Diabetes

Eine ausgeprägte Zahnfleischerkrankung kann eine Diabetes-Erkrankung verschlimmern oder sogar auslösen. Eine fachgerechte Zahnbehandlung kann die Einnahme von  Diabetes-Medikamenten möglicherweise verhindern. Umgekehrt führt ein schlecht eingestellter Diabetes zu Zahnverlust aufgrund der fortschreitenden Zahnfleischerkrankung.